"Tirolerisch denkt"

Kolumne von Franz Eberharter

Glaubensschau oder Show?

„ Mensch Hilde“, ich kann mir lebhaft vorstellen wie jener Urlaubsgast, der mitten unter den Schützen stehend und mit dem Handy filmend seiner Holden berichtet, „ich war mitten in dieser Horde schwer bewaffneter und verkleideter Männer, und dann haben die auch noch in die Luft geschossen! Da sind dir die Ohren abgefallen, Mensch Hilde, da hast du was versäumt, aber ich zeigs dir zu Hause dann am Handy!“ 

Hatte Martin Luther 1530 recht, als er die Fronleichnamsprozessionen verdammte, weil man den Leib Christi nur zum Schauspiel herumtrüge. 

Irgendwie lustig ist die Geschichte von den Schweizern, wo sich die Konfessionen bekriegt haben indem die Bauern exakt am Fronleichnamstag Mist gestreut haben, angeblich aus Rache für das Misten der Gegenseite am Karfreitag. Aber so ist es nun einmal und vielleicht mag es ein kleiner Trost sein, dass solch gehässiges Verhalten auch bei Primaten feststellbar ist. Aber zurück zur zugegebenermaßen sehr eindrucksvoll gelebten Demonstration von Glauben und Brauchtum, zum Fest des Sakrament des Altares, das im Jahre 1246 erstmals erwähnt 1264 von Papst Urban IV zum Fest der Gesamtkirche erhoben wurde.

Ist so eine Fronleichnamsprozession wirklich nur eine Show für die Gäste, die das wie einen Tiroler Abend im Paket ebenso wie das Lunchpaket zum Wandern und die Nachmittagsjause mitgeliefert bekommen? Nein, natürlich nicht, und wenn die filmenden und fotografierenden Zaungäste in ihrer oft sehr rücksichtslosen Art wirklich lästig sind, gibt es doch auch viele Gäste die mitgehen und mitbeten, die aktiv teilnehmen und es als Möglichkeit sehen, Gott ein kleines Stück näher zu kommen. Außerdem sind unzählige Heinzelmännchen und -frauchen am Werk, die die Altare aufbauen, die Wege frei machen und die Wiesen mähen, und nicht zu vergessen die Akteure, die den Pfarrer unter seinem Himmel begleiten und der Prozession einen würdigen und festlichen Rahmen verleihen. Freilich wird auf dem langen Weg neben dem Beten auch gelästert, private Dinge abgesprochen und genau hingehört, ob der Kirchenchor schon immer die richtigen Töne trifft und ob sich bei den Salven der Schützen Ausreißer eingeschlichen haben.

Prinzipiell ist es nicht leicht, im Glauben die Rechte Mitte zu finden, denn wenn man mit Gott redet, betet man, wenn aber Gott mit dir redet befürchtet das soziale Umfeld einen veritablen Dachschaden. Aber in dieser hektischen Zeit einmal innezuhalten und Danke zu sagen, dass wir das Glück haben in so einem so wunderbaren Land leben zu dürfen, schadet sicher nicht und ich habe das Gefühl, herausgerissen aus dem Trott des Alltags gelingt das auch besser. 

Leider kann ich bei der Herz-Jesu Prozession nicht teilnehmen, weil ich im Ausland bin, aber dankTwitter, Instagram, Facebook und Co. und unzähliger filmenden und postenden Zaungäste kann ich doch dabei sein. Gottseidank!

Schönen Sonntag!

warum geht es nicht?

Warum geht´s nicht? Warum weiß man das, wenn man´s doch noch gar nicht probiert hat?

Hat irgendjemand eine Idee, dann schießt sofort eine Heerschar an zugegebenermaßen selbst gezüchteten Beamten aus Hüfte und Ärmel, warum das jetzt gerade nicht gehen könne und welche Bedenken man da habe und wem was nicht recht sein könnte. Ich möchte niemandem zu nahetreten, aber ein „Hosenscheißer“ kratzte schon an meinem Stimmband. Warum müssen wir vor Allem und Jedem in die Knie gehen, warum trauen wir uns nichts, warum sind wir ständig in der Defensive? Warum um aller Welt können wir an Fenstertagen für LKW keine Blockabfertigung verhängen? Was und wer hindert uns daran die Grenzen dicht zu machen, wenn die Autobahnparkplätze voll sind? Welches Gesetz der EU beinhaltet, dass unsere Brenner- und Inntalautobahn ein LKW Parkplatz sind? Sind wir wieder einmal die Ministranten Europas, weil ein führender Beamter sich darüber Gedanken macht, dass bei einer Sperre die LKW dann in Bayern stehen? Also mir ist das mehr als herzlich egal, wogegen es mir überhaupt nicht herzlich egal ist, dass jene, die sich um uns kümmern sollten, sich mehr Sorgen über die anderen machen. Ist unserer Beamtenschaft das ausländische Jäckchen näher als das Tiroler Hemd?

Überhaupt sind wir von „das geht nicht“ Beamten umzingelt. Besonders im Westen legt man einen Eifer an den Tag, Europäische Gesetze, die ja meist einen recht breiten Spielraum zulassen, vorbildmäßig in einer Art und Weise bevölkerungsfeindlich auszulegen, dass schon ab Wien das restliche Europa ungläubig den Kopf schüttelt. Wie lange lassen wir uns das noch gefallen? Wie lange schaut der (noch) recht gelassene Tiroler Steuerzahler zu? Hat sich schon mal jemand Gedanken gemacht, was los ist, wenn es dem Tiroler wirklich reicht? Warum kann man nicht umdenken und vielleicht darüber nachdenken wie etwas doch gehen könnte? Vielleicht muss man da den einen oder anderen Beamten entsorgen? Wie, das geht nicht sagen sie? Und ob das geht, man hat es nur noch nicht gemacht. Man braucht nur eine höhere Ebene einschieben, man setzt vor den Abteilungsleiter bei dem´s nicht geht, einen bei dem´s geht Beamten hin und macht ihn zum Ressortchef und voilá, es geht. Und wenn das vorher sein Untergebener war, umso lustiger!

Aber die Beamten haben es von den Politikern gelernt. Man darf gespannt sein, vor welchen Querschüssen aus den eigenen Reihen unser Kurz noch in Deckung gehen muss. Dass er den selbsternannten Ein-Mann-Tribunal-Moderator Armin Wolf selbst noch aus der Ukraine ziemlich alt aussehen ließ macht Hoffnung.

Schönen Sonntag!

wo ist der heilige geist?

Wo ist er denn, der Heilige Geist? War es am Ende gar nicht der Heilige Geist der in den Trump gefahren ist? Ist er einfach nur von allen guten Geistern verlassen? Gibt es den Heiligen Geist nicht oder liest er nur keine Tweeds von der betonierten Blondlocke? Was muss der noch anrichten, bevor der Heilige Geist ein Einsehen hat? Aber was ist der Heilige Geist eigentlich? Ist der Heilige Geist möglicherweise dieses sagenumwobene Bauchgefühl auf das wir öfter hören sollten? Ich habe letzte Woche das Ergebnis einer Umfrage gesehen, in der wahllos Passanten mit vorgehaltener Kamera gefragt wurden, was denn zu Pfingsten eigentlich gefeiert werde. Das Ergebnis war einigermaßen erschütternd denn die vornehmlich jüngeren Befragten zeigten, jetzt abgesehen von zeitgeistigen Ausrutschern wie einem aggressiven: „Hey Alder, willst du misch mit die Taube verarschen?!“ oder einem kurz vom Display aufgeschautem: „Wie, den Heiligen Geist gibt’s jetzt als App?“ eindrucksvoll ihren Wissensstand. Ein Wiener Theologiestudent meinte gar, er finde im Zusammenhang mit der Erleuchtung den Petrus urgeil, denn der habe an einem einzigen Tag damals noch ohne Facebook und Twitter schon 3000 Followers gehabt, was in der heutigen Zeit Kurz gesagt höchstens noch eine junge Polithoffnung zusammenbrächte. Ein anderer wieder grübelte: „Da kann ich mich an ein Bild in unserem Religionsbuch erinnern, wo eine Taube den Jüngern auf den Kopf geschissen hat. Aber für was das gut war? Keine Ahnung!“

Gar nicht wenige in unserer Landeshauptstadt wieder sind sich absolut sicher, dass zu Pfingsten der Heilige Lago di Garda gefeiert wird, an dem sich am Ende des Pilgerstaus von der Koatlack´n bis zum Lago Benaco jene Innschpruggerinnen und Innschprugger treffen, die sich sonst das ganze Jahr in der Stadt nicht sehen. Insgesamt trifft diese Umfrage aber zielgenau die Aussage Oscar Wilde´s: „Der liebe Gott dürfte sich gewaltig überschätzt haben, als er den Menschen erschaffen hat!“ Der Versuch, einige Zeit danach mit dem Heiligen Geist nachbessern zu wollen, dürfte angesichts der geschichtlichen Entwicklung der Menschheit, der gegenwärtigen allgemeinen Zustände und der politischen Großwetterlage wohl eher als gescheitert angesehen werden. Warum allerdings vom Heiligen Geist Getroffene in den meisten Fällen ständig so unerträglich salbungsvoll und weltentrückt flüstern müssen wird mir ohne Heiligen Geistesblitz aber wohl weiter ein Rätsel bleiben. Heiliger Geist hin oder her, je älter ich werde umso klarer wird mir, manchmal ist man die Taube, viel öfter aber das Denkmal!

Schönen Sonntag!

Online Shop

Aktuelle Termine

Alle Termine anzeigen
Aktuell sind keine Termine vorhanden.

Tiroler VersicherungHohenhaus Tenne Mercedes Retterwerk Hall4mengroup GmbHFotowerk Aichner Youtube Channel Facebook Page

© 2013 Verlag Lachgas • Franz Eberharter • Waldbadstr. 534 • 6290 Mayrhofen • Telefon 0664/325 44 49 • office@lachgas.atImpressum

Lachgas buchen

Jetzt buchen!