"Tirolerisch denkt"

Kolumne von Franz Eberharter

wählen, so lautet die devise

Langsam gehe ich hinter unserem Landes-hauptmann durch die Tür und betrete doch einigermaßen nervös die Staatskanzlei in München. Herr Joachim Herrmann, Staatsminister für Verkehr und zugleich bayerischer Transitheiliger, kommt auf uns zu und schüttelt mit einem süffisanten Lächeln Günter Platter die Hand: „Naa, Herr Landeshauptmann, willkommen zum Transitgipfel. Jetzt haben sich wohl die Vorzeichen ein wenig geändert, der Tiroler Fels scheint ein wenig abgebröckelt zu sein, was?“ Verkehrsminister Hofer, der sich eine LKW Obergrenze nicht vorstellen kann, steht daneben, ein leichtes Grinsen umspielt seine Mundwinkel …

Da wache ich schweißgebadet auf! Wo bin ich? Was mache ich hier? Warum träume ich so einen Blödsinn?!?

Obwohl, bei näherer Betrachtung ist dieser Blödsinn gar kein Blödsinn, denn wenn diejenigen, die unseren Landeshauptmann sowieso wählen wollten, deshalb zu Hause bleiben, weil er es ja sowieso macht, wer sollte es denn sonst machen, dann kann es ganz leicht passieren, dass vor dem wohl außer Frage stehenden Wahlsieger doch ein dickes Minus steht. Und darauf warten sie in Wien, München, Bozen, Rom und Brüssel, denn dann hätten sie leichter Kirschen essen, denn dann hätte er einen großen Teil seiner inzwischen ziemlich breit gewordenen Schultern eingebüßt.

Ein anderes Problem könnte auch sein, dass im Bewusstsein, dass eh die Schwarzen gewinnen, die Wähler jene Koalitionspartei ankreuzen, die sie gerne in der neuen Regierung hätten, was ja auch nicht wirklich im Sinne des Erfinders wäre.

Womit ich ohne eine Wahlempfehlung abgeben zu wollen, schließlich weiß jeder und jede selber am besten, wo gekreuzelt wird, die Devise ausgeben möchte, dass man wirklich wählen gehen sollte, solange man wählen gehen darf.

In anderen Bereichen hat man, Gott sei´s getrommelt und gepfiffen, auch eine Wahl.

Ich kann wählen, rauche ich oder nicht, ich kann auch wählen, ob ich in ein Raucherlokal gehe oder nicht, wie ich auch wählen kann, ob ich mit dieser unsäglichen Diskussion jemandem auf die Nerven gehe oder nicht.

Selbst bei einem UEFA Champions League Spiel, wie zum Beispiel am Mittwoch zwischen Real Madrid und Paris Saint-Germain, hatte man problemlos die Wahl zwischen Bezahl- oder nicht wenigen Unbezahl-Sendern. Man konnte einfach auf letztere umschalten, wenn die Flut an wichtigen Nebeninformationen dem Spiel die Luft nahm. Es ist geradezu unheimlich, wieviel an Hintergrundwissen in einem 90-minütigen, Verzeihung, 96-minütigen Spiel, es gab schließlich sechs Minuten Nachspielzeit, Platz findet. Unten am Rasen dribbelt sich Marcelo die Seele aus dem Leib, packt seine große Trickkiste aus, überspielt zwei, drei, vier, nein, gleich fünf Gegner und aus den Lautsprechern erfährt man zugleich, dass die Freundin von Ronaldo gerade an einem eingewachsenen Zehennagel laboriert, einfach grandios.

Heute am Stammtisch wird mir die Wahl schwerer fallen. Soll ich ein Bierchen trinken oder doch lieber ein Gläschen Rot?

Schönen Sonntag

weniger legitim als üblich

Also man kann über den Klubobmann Schieder sagen was man will, denn wo er Recht hat da hat er Recht, die ÖBB ist wirklich kein Verschiebebahnhof für FPÖ-Parteigänger. Das war, und da braucht der gelernte Österreicher gar nicht lange nachzudenken, immer schon der Verschiebebahnhof der Roten Abteilung. Böse Zungen behaupten ja, dass akkurat deswegen auch das Logo rot sein soll.

Aber zurück zum aktuellen Thema. Dass jedes Regierungsmitglied versucht, sich mit Leuten des Vertrauens zu umgeben ist durchaus legitim und üblich, weshalb das wehleidige Geschrei der Genossen, durchaus auch legitim und üblich, etwas seltsam anmutet. Drehen wir das Rad ein wenig zurück. Können sie sich noch daran erinnern, als unser Günther Platter zum Verteidigungsminister gekürt wurde und seine besten Leute aus Tirol mitgenommen hat? Das war nicht nur legitim sondern mehr als notwendig, weil sonst hätte er in Wien politisch vermutlich nicht lange überlebt. Dass es für die Veränderung im ÖBB-Aufsichtsrat laut Schieder keinen fachlichen Grund gäbe, halte ich für ein Gerücht, denn dass sie dort oben sich zu den horrenden Gehältern noch horrendere Erhöhungen genehmigt haben, während das tagtäglich buggelnde Kleinvieh mit ein paar Prozentchen abgespeist wurde, ist nun auch nicht unbedingt jene Art von Tätigkeit, die man von einem Aufsichtsrat sehen möchte. Und ansonsten hielt man sich, mehr üblich als legitim, bei den erreichten Zielen in vornehmes Schweigen. Natürlich, eleganter hätte man es durchaus machen können, vielleicht indem man die Aufsichtsräte einem in der Privatwirtschaft durchaus üblichen „Fit und Proper“ Test unterzogen hätte. Bei solchen Tests, dabei wird die fachliche Kompetenz und persönliche Einstellung überprüft, trennt sich nämlich rasch der berühmte Spreu vom in der Regel eher weniger berühmten Weizen. Dass man, wenn man von der „Politiker können sowieso alles“- Üblichkeit abrückt und sich auf Könner verlässt, Erfolg haben kann, beweist eindrucksvoll die Geschichte der VÖST.

Ein ganz anderes Thema dieser Tage ist, legitim wie üblich, das Zwangsinkasso des ORF, wobei ja nur ein Teil davon wirklich beim ORF landet. Ob eine Kulturförderung über diese Schiene noch zeitgemäß ist, ließe sich trefflich diskutieren, wogegen die Küniglberg-Rechtfertigung zur Causa Verkehrsminister Hofer eher skurril anmutet. Dass nämlich auch die Deutschen und die Italienischen Medien unseren Hofer in ihren Transitgipfelberichten nicht erwähnt hätten, kann man nur dahingehend ergänzen, dass die ganze Sache dem Chinesischen Fernsehen ja auch nicht einmal eine Randnotiz wert war. Die übliche und aus meiner Sicht mehr als legitime Unzufriedenheit über den öffentlich-rechtlichen Zwangsbeglücker allerdings an diesem Hofer-Skandälchen aufhängen zu wollen, zeugt von der Abgehobenheit der agierenden Elite. Hat man die ganzen Aufreger im Zuge der Wahlkampfdebatten mit der einäugigen Berichterstattung und den Verhören vor laufender Kamera, weniger legitim als üblich, einfach vergessen?

Schönen Sonntag!

wen hat da was geritten?

Wenn jemand etwas tut, jemand völlig danebenhaut, außerhalb der Norm oder sonst für den Normalbürger unverständlich ist, dann sagt der Volksmund, der wurde vom Affen gebissen, vom Esel getreten oder einfach vom Teufel geritten.

Nun weiß ich nicht, ob jemand gebissen oder getreten wurde oder wer von wem in der Causa Landbauer geritten wurde.

Schließt doch glatt eine Ex-Innenministerin einen Tag vor der Wahl kategorisch aus, mit einem FPÖ Spitzenkandidaten, der genauso demokratisch gewählt wurde wie sie, zusammenarbeiten zu wollen, was mich zur glaube ich doch berechtigten Frage nötigt, ob denn die hochgelobte Demokratie nur dann gilt, wenn sie dem demokratisch gewählten politischen Mehrheitshalter gerade passt. Dass man, oh Wunder, erst einen Tag nach der Wahl draufgekommen ist, dass in der Sache zwar nicht gegen besagten FPÖ-ler, wohl aber unter anderem auch gegen einen Roten ermittelt wird, ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wohl vom Zufall geritten. Und ja, ich glaube auch an den Osterhasen.

Doch abseits vom Wahlkampf, der nach der seligen Hilde Zach ja deshalb ein Kampf ist, weil es sonst ein Wahlkränzchen wäre, eröffnet sich bei unserem nur durch eine Wahl über Nacht zum Gewissen und zur personifizierten Moral des Landes gewordenen Herrn Bundespräsidenten eine völlig andere Dimension. Er hätte sich nach meinem politischen Verständnis nicht so offensichtlich auf einem Auge blind in eine Wahl einzumischen, weshalb ich seine Rücktrittsaufforderung an einen Spitzen-Kandidaten justament knapp vor dem entsprechenden Wahlgang mehr als völlig überflüssig halte. Was mich in diesem Zusammenhang aber doch ziemlich nachdenklich stimmt ist der Umstand, dass offenbar jeder, der sich um ein politisches Amt bewirbt, automatisch zu Freiwild wird. Gilt für Politiker die Unschuldsvermutung nicht mehr? Habe ich etwas überhört oder übersehen oder haben wir gar die Sippenhaftung wiedereingeführt? Wie kann man allen Ernstes von jemandem einen Rücktritt fordern, wenn gegen ihn noch nicht einmal Ermittlungen eingeleitet, geschweige denn von irgendeinem Gericht irgendein Urteil gefällt wurde? Aber dem nicht genug, denn wenn das der Hans oder der Sepp vom Stammtisch wären, hätte ich damit noch kein Problem, wenn aber unser Staatoberhaupt vorverurteilt?

Dass man damit vielleicht eine Existenz zerstört und eine ganze Familie der medialen Hetze ausgesetzt hat, wird von den ganzen Saubermännern und -frauen sicherlich mit einem Schulterzucken unter kollaterale Schäden verbucht. Einfach widerlich!

Bei der ganzen sicher notwendigen Aktion gegen die braune Vergangenheit muss man aufpassen, dass man nicht über das Ziel hinausschießt und selber zum Täter wird!

Noch eine letzte leise Frage eines unstudierten Deppen an die saubere Elite. Wurden die Burschenschaften am Ende gar von studentischem Treiben geritten und ist jetzt der rechte Daumen links oder der linke Daumen Rechts? Oder beides??

Schönen Sonntag!

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