"Tirolerisch denkt"

Kolumne von Franz Eberharter

tja, diese reformen

Alles soll besser werden aber alles soll so bleiben wie es ist, wie es war vom Anfang an, so auch in Ewigkeit Amen. Die Eigenheit von Reformen, und das kann man auch im allwissenden Internet nachlesen, ist, dass es darum geht, Dinge kontrolliert zu ändern, sie umzugestalten, Missstände zu beseitigen. Dass es solche durchaus wünschenswerten Bemühungen schon früher gab, kann man bereits in der Bibel in den Paulus-Briefen nachlesen. Dass dabei bestehende Sümpfe trockengelegt und Selbstbedienungsläden geschlossen werden sollen, ist unumgänglich notwendig, stößt aber oft aus durchaus verständlichen, weil allzu menschlichen Gründen auf heftigen Widerstand. Jetzt mag es durchaus Leute geben, die weniger um den eigenen Posten als um das ehrliche Wohl der von solchen Reformen Betroffenen kämpfen, dennoch braucht jede Änderung auch die Bereitschaft zum Ändern. Die Gewerkschaften waren durchaus notwendig und können zu Recht auf wichtige Erfolge verweisen, dennoch müssen wir aufpassen, dass wir nicht alles zu Tode regulieren. Jetzt soll der 12-Stundentag möglich gemacht werden, worauf sofort wieder die Hackl´n fliegen. Von mehr Arbeit bei weniger Lohn ist die Rede, von Bereicherung des Unternehmers auf Kosten des Arbeitnehmers, weil ja, wie wir alle wissen, die Unternehmer allesamt Ganoven sind. Dabei hat niemand daran gedacht, die Gesamtarbeitszeit zu erhöhen oder die Löhne zu senken, im Gegenteil, Mitarbeiter, die SELBER länger Arbeiten wollen, weil sie dadurch mehr verdienen und längere zusammenhängende Freizeit lukrieren, wurden bisher gegen ihren Willen reglementiert. Dass damit natürlich auch ein Mitarbeiter, der solches will, eher eingestellt wird als ein anderer, ist die hintere Seite der Medaille. Aber ist es nicht das Recht des Arbeitgebers, sich jene Mitarbeiter auszusuchen, die ihm am Besten in den Betrieb passen? Wenn sie jetzt noch nicht gelacht haben, dann sollten sie das schnell tun, denn die Realität ist, dass Betriebe sich in der Regel alle zehn Finger abschlecken wenn sie einen guten Mitarbeiter gefunden haben und ihn mit aller Kraft halten wollen. Der Aufruf, bei mehr Arbeit mehr Leute anzustellen, verhallt in der Wüste der Arbeitslosen, denn weit nicht alle wollen einen ganzen Monat arbeiten um dann gerade einmal ein paar Hunderter mehr zu haben als beim Stempeln. Ein ganz anderes Problem hat wieder ein Elektrounternehmer, der dem angeblichen Facharbeiter aus dem Osten zuerst zeigen muss, wie ein fünfpoliges Kabel aussieht oder der Bäcker, dessen Meister aus dem Norden ständig die Zutaten vergisst oder durcheinanderbringt. Wenn ihn der Unternehmer zwangsläufig kündigen muss, kommt die eine Kammer, die ihn zu Strafzahlungen verdonnert und dann die andere Kammer, die ihm rät, das zu tun, weil sie selbst da nichts anderes tun kann als die Umlage zu kassieren. Also wer da keinen dringenden Reform-Bedarf sieht, ist mit Verlaub irgendwo „ang´rennt!“

Ich jedenfalls erhebe heute mein Glas auf die hoffentlich hartnäckigen Reformer in Wien.

Schönen Sonntag

nichtgenügend- setzen!

Für einen Einser einen Euro, für einen Zweier zwei Euro, für einen Dreier drei Euro und für einen Fünfer fünf Euro, so lautete mein Deal mit unseren Enkeln, als sie noch in die Volksschule gingen. Erst als unser Mike schon ins Gymnasium ging, stellte er den Antrag ans Familienparlament, dass man doch wenigstens die Einser anders bewerten möge. Dem Antrag wurde natürlich stattgegeben und klar, auch der Deal in der Volksschule war mit einem Augenzwinkern und separat belohnten Einsern gemacht worden, weshalb sie mit ihren Zeugnissen stolz nach Hause kamen und grinsend erklärten: „Opa, bei unseren Noten wird´s dir die Tränen heraus drücken!“ Dass dieser kindliche Leistungs-Kuhhandel nach der von Bildungsexperten bejubelten Abschaffung der Noten in den ersten Schuljahren nicht mehr möglich war, war für mich verständlich, weil am Beginn der schulischen Ausbildung sicher wichtigere Dinge am Schulplan stehen sollten als die Vergabe von Noten, aber dass man als Ersatz dafür in den Neuen Mittelschulen sieben Noten braucht kann auch nur einem Experten einfallen. Was kommt nach dem Nichtgenügend? Gar nicht Nichtgenügend und als siebte Note eventuell ein „Muster ohne Wert“ mit einem Vermerk „zurück an den Absender?“

Kannten sich zu meiner Zeit die Erstklässler allesamt schon vom Indianerspielen im Wald, ist die Welt heute kleiner geworden und dadurch das Zusammenleben ungleich schwieriger. Wie aber will man die soziale Kompetenz eines Kindes benoten? Eins für „lässt sich alles gefallen“ und Fünf für „haut jeden um, der nicht seiner Meinung ist?“

Einen römischen Einser bekommt die neue Regierung aber auf jeden Fall für die Absicht, die unzähligen Verordnungen, Erlässe und Rundschreiben auszumisten.

Dass es eine neue Regierung braucht, um diese aus allen Ebenen kommende Flut auf Praxistauglichkeit und Sinnhaftigkeit prüfen zu lassen, mag ein Abbild des bisher stattgefundenen Gewurschtels über den Köpfen unserer Kinder sein, wäre aber auch anderen, hauptsächlich mit der Selbstverwaltung beschäftigten staatlichen Organisationen dringendst angeraten.

Dass man dem „Absitzen“ der Schulpflicht den Kampf angesagt hat ist ebenfalls löblich, wirft jedoch die Frage auf, wie man mit bildungsresistenten Schulabgängern umgeht. Holt man sich aus Nürnberg den berühmten Trichter, kauft man größere Schulbänke oder überstellt man sie nahtlos in den Knast? Vielleicht noch bevor sie etwas angestellt haben? Womit ich natürlich keinesfalls ausgedrückt haben will, dass bildungsferne Zeitgenossen öfters Straftaten begehen! #me too!

Neulich hatte ich ein erschütterndes Erlebnis beim Kauf einer Glückwunschkarte in einem Papierfachgeschäft, als die Verkäuferlehrlingin (hab ich das jetzt richtig gegendert?) mir auf meine Bitte, ich hatte meine Lesebrillen vergessen, nicht einmal die kurzen Texte auf den Karten vorlesen konnte!

Endlich weiß ich, warum bei BigMac und Co die Speisen und Getränke bebildert sind - damit die Kid´s beim Lesen nicht verhungern. Gar nicht zum Lachen!

Schönen Sonntag

Tja, die Sicherheit

Sicherheit ist mit Sicherheit ein ziemlich heikles Thema, denn allein schon die Definition von Sicherheit ist schwierig, weil bei jedem Menschen die Latte verschieden hoch liegt. Einer fürchtet sich schon beim Gedanken an eine dunkle Straße, während bei jemand anderem der Blutdruck erst bei einem tatsächlich stattfindenden tätlichen Angriff steigt. Dass sich die Menschen in unserem Land aber zunehmend unsicherer fühlen zeigt die rasant anwachsende Zahl von privaten Waffenkäufen in Tirol. Dass die Zeiten rauer und die Hemmschwelle niedriger wird kann man in den täglichen Nachrichten mitverfolgen und so braucht man sich auch nicht zu wundern, dass es in der Bevölkerung Strömungen gibt, zur Selbsthilfe zu greifen. Dass wir den Landsturm wieder aufleben lassen um mit Dreschflegel, Morgenstern und Heugabel jene Aufgaben zu übernehmen die der Bund mit seiner Polizei nicht mehr erfüllt, oder besser gesagt, mit diesem Personalstand gar nicht mehr erfüllen kann, wird wohl noch ein Weilchen dauern weil es uns halt doch noch zu gut geht, aber langsam sollte die Politik schon reagieren. Und dabei geht es vordergründig gar nicht um Leib und Leben, sondern wie in den nächsten Monaten in den Zentren des Schitourismus nur um das Verhältnis von Einheimischen und abgefüllten Touristen.

Dass eine Hauptstraße ein öffentlicher Ort ist, an dem der Bund für Ruhe, Ordnung und Sicherheit zu sorgen hätte, dürfte unbestritten sein, womit sich die Frage ergibt, warum dann die Kommunen und Tourismusverbände diese Aufgaben übernehmen müssen und dafür blechen sollen, damit die Ortszentren nicht jeder Nacht einem Schlachtfeld gleichen. Da ich auf Seiten derer stehe, die in Ausübung ihres Dienstes ihre Haut zu Markte tragen und sich zu Recht die Frage stellen, ob das Berufsbild des Polizisten wirklich die tägliche Versorgung von vorher in Lokalen abgefüllten Krawallern beinhaltet, möchte ich auch hier die Politik gefordert sehen.

Das Festschrauben von Blumentrögen mag ein Mittel gegen die Folgen sein, aber eine gangbare Lösung wird es nur geben, wenn die Abfüllstationen reguliert werden. Es hat sich gezeigt, dass eine Sperrstunde in den Apreski-Lokalen um 19.00 Uhr dazu führt, dass im Ort um Mitternacht kaum noch schischuhtragende Gäste anzutreffen sind. Detto wäre eine allgemeine Sperrstunde aller Lokale etwa um 3.00 Uhr eine Möglichkeit, den Ort wenigstens ein paar Stunden durchatmen zu lassen. Vielleicht ginge das alles leichter, wenn jene, die am Abfüllen des Gastes verdienen auch für das Aufräumen aufkommen würden. Dass wie im Zillertal in der Nacht gerade einmal 8 Beamte auf die PI´s verteilt für über 90.000 Menschen zuständig sind, ist wieder eine andere Sache. Das Problem dabei, wenn nach dem dritten Anruf das vierte Mal keiner kommt, ruft man ein fünftes Mal gar nicht mehr an. Mit Sicherheit würde hier ein #me too aus der „Einzelfall-Falle“ und der Politik ein wenig auf die Sprünge helfen. Ich jedenfalls werde mir jetzt ein Gläschen Wein kaufen und auf jene anstoßen, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten für unsere Sicherheit sorgen.

Schönen Sonntag

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