"Tirolerisch denkt"

Kolumne von Franz Eberharter

Dank dem Himmel, es ist vorbei!

Wenn die Hunde gähnen, heißt es, dann ist auch die schönste Jagd vorbei. Oder sollte man dieses Mal sagen, wenn die Stimme abgegeben ist, dann ist auch der schmutzigste Wahlkampf vorbei? Wie immer, ich glaube es gibt niemanden, der nicht froh ist, dass dieser ganze unsägliche und unappetitliche Hickhack vorbei ist. Was mir allerdings ein wenig zu denken gibt ist die Frage, ob man das höchste Gut einer Demokratie, nämlich die freie Wahl, für irgendwelche Spielchen missbrauchen oder auch nur für nichts mehr Wert halten sollte. Ich rede jetzt nicht von Streitereien zwischen den Parteien, von Schmutzkübel-Kampagnen und ähnlichem, sondern von der Möglichkeit einer freien Wahl als solches. Wofür man sich in anderen Ländern die Köpfe blutig haut, ist bei uns nichts mehr wert. Wofür man in anderen Ländern in den Knast wandert, ist bei uns strafloses Ziel von Spott und Hohn. Nein, es ist nicht so, dass ich nicht auch gesagt hätte, wählen gehen wäre einfacher, wenn man wirkliche einmal die Wahl hätte und sich nicht ständig zwischen Pest und Colera entscheiden müsste, aber deshalb gleich einen Kabarettisten zu wählen, würde mir auch nicht einfallen. Andererseits gibt es doch einige Beispiele in der jüngeren Vergangenheit. In Italien dürfte es sich wohl ziemlich ausgeGrillot haben, wogegen der Komiker Jon Gnarr im isländischen Reykjavik wahrlich den Karren aus dem Dreck gezogen hat und dann nach einer Legislaturperiode, man glaubt es nicht wenn man es nicht besser wüsste, den Hut genommen hat. Über 34 % der Stimmen zu bekommen indem man im Wahlkampf mit offener statt heimlicher Korruption, kostenlosen Handtüchern für alle Schwimmbäder und einem Eisenbären für den städtischen Zoo wirbt, spricht Bände. Dass in Amerika ein ziemlich untalentierter wie brandgefährlicher Komiker am roten Knopf sitzt, spricht auch Bände und wird vermutlich (nicht nur) an den Komikern liegen, die ihn gewählt haben.

Wien ist in dieser Hinsicht anders, was an und für sich kein großes Geheimnis ist, sonst hätten sie es ja nicht groß plakatiert, denn da hat einer über diesen Weg in wohl ziemlich durchsichtiger Art und Weise für sein neues Bühnenprogramm Werbung gemacht. Dass da die in diesem Fall missbrauchten Medien mitgemacht haben, ist unschwer auf die Schlagzeilengeilheit zurückzuführen, wogegen es einigermaßen interessant wäre, ob so etwas im Westen auch funktioniert hätte. Ob´s denn beim Komiker selber funktioniert hat, wird man sehen.

Ich bin ja gespannt, ob wir dieses Mal richtig gewählt haben, denn das letzte Mal mussten wir uns von den herumfragenden Umfragespezialisten die Kritik gefallen lassen, dass das so nicht gehe, dass man sich nicht an Umfrage-Ergebnisse halte. Aber es wird schon stimmen, dass manche erst in der Wahlzelle entscheiden, mit welchem Fuß sie aufgestanden sind.

Schönen Sonntag

„I hau mi o!“ Mein neues Programm am 25. Okt. um 19.30 Uhr in der Volksschule Münster. VVK Raika und Sparkasse Münster.

träum ich oder was?

Auf der Alm geht´s lustig zu und im Herbst wird abgetrieben. So gut so lustig, aber verdammt, taten mir die Füße weh. OK, ist ja auch klar, denn normalerweise hatsche ich nicht an einem einzigen Tag mehr als fünfzehn Kilometer hinter Vierbeinern her, die nicht mal mir gehören. Aber was soll´s, erstens ist Vorschrift Vorschrift, und so braucht es jetzt beim Almabtrieb für jede Kuh einen Treiber damit den Rindviechern nichts passiert und zweitens blecht der Tourismusverband für die ganze Show. Also, ich als vierzehnter Treiber der dreizehnten Kuh auf dem Weg ins Tal, als mir ein etwas älterer Herr den Weg verstellt. Ich hatte schon zuvor gesehen, dass dieser Todel, man verzeihe mir den Ausdruck, mit seinem nigelnagelneuen Porsche Cabrio mitten in unseren Trieb gefahren und dann natürlich zwischen den wogenden Leibern der aufgebüschelten und mit Glocken behängten Kühe stecken geblieben war. Was ich nicht wusste, ob er von seinem Navi geleitet oder selbständig auf diese grandiose Idee gekommen war. Jedenfalls aber hatte sich eine der Kühe, für die natürlich die Unschuldsvermutung gilt, vom dem ihr plötzlich im Weg stehenden Auto weggedreht und damit ihr Hinterteil exakt über die Beifahrertür mit dem heruntergelassenen Fenster positioniert. Dem noch nicht genug verlor sie in der wohl verständlichen Aufregung einiges an verdautem und angestauten Material über ihren schwanzgedeckten Heckauslass, wodurch der lederbezogene hellblaue Recaro-Design-Beifahrersitz mit einem Platschgeräusch seine Farbe wechselte. Der Herr nun, einigermaßen aufgeregt, zeigte mir die Sauerei und verlangte, dass ich in dieser Sache etwas zu unternehmen hätte. Nachdem er mir die Täterin nicht zeigen konnte und sich seine Beschreibung zwangsläufig nur auf ihr Hinterteil mit erhobenem Schwanz beschränkte, warf ich ein, dass es sich in diesem Falle, so er nicht einmal den Namen der Kuh wisse, um einen Fundgegenstand handle und dass es nach österreichischem Recht so sei, dass er, so sich im Laufe des nächsten Jahres niemand melden würde, die Kuhflade behalten dürfe. Im Angesicht seines ungläubigen Staunens bin ich aufgewacht, was mir ziemlich leidtat, denn schön wär´s schon gewesen. Einmal umgedreht und ich landete im Traum „mach mich zum Kanzler, aber sag mir nicht wie“, in dem es auch um ziemlich viel herumfliegenden Dreck ging. In diesem Falle mit dem zweifelhaften Erfolg, dass niemand mehr wählen geht, wenn sie so weitermachen. Irgendwie kratzte ich dann die Kurve zur nächsten Schweinerei, der Erotik-Messe im Heiligen Land Tirol und dem gestrigen Porno-Tatort im ORF, auf dessen Einschaltquoten ich ganz besonders gespannt bin, denn mehr Werbung kann man im Vorfeld nicht machen. Der einzige Trost bei den ganzen angeprangerten Schweinereien ist, dass sich in der Regel dann ein Heiligenschein bildet, wenn sich schmutzige Gedanken rasend schnell im Kreis drehen.

Schönen Sonntag

„I hau mi o!“ Mein neues Programm am 25. Okt. um 19.30 Uhr in Münster. VVK Raika und Sparkassa Münster. Gefördert vom Kulturausschuss der Gemeinde Münster.

wenn man nur die wahl hätte

Bald ist es auch bei uns soweit und wir können, sollen oder besser gesagt dürfen wieder zur Wahlurne schreiten. Das Wahl-Ergebnis in Deutschland war ja ziemlich ernüchternd, denn dass selbst im Westen, wo die Wirtschaft nachweislich brummt, die Rechte Seite des Reiches so einen Auftrieb bekommt, war, wenngleich schon ein wenig zu erwarten, doch erstaunlich. Die Analysen, und nicht wenige behaupten steif und fest, dass die deswegen so heißen, weil sie in der Regel für selbigen sind, ergeben, dass wieder einmal die Umfragen richtig waren, die Wahlen aber leider falsch ausgegangen sind. Wofür es aber keine Wahrsager oder Kaffeesudleser braucht, die nächste Legislaturperiode bei unseren nördlichen Lieblingsnachbarn wird von Stillstand geprägt sein. Eine Vierer-Koalition, eigentlich sollte man sie in Vierer-Kollision umtaufen, wird nämlich, vorausgesetzt man bekommt die 94 Schreier im Plenum in den Griff, zu einem Debattierclub verkommen, in dem nichts mehr weitergeht. So sehe ich auch manche Meinung bei Diskussionen zu unseren Wahlen mit gemischten Gefühlen. Mit „nur nicht jemanden zu stark machen“ mag man zwar auf der eher sicheren Seite sein, aber weitergehen tut dann auch nichts, denn, und das hat die selige Hilde Zach schon immer gesagt, wer etwas machen will braucht die Macht dazu. Auf der anderen Seite, und da gibt es genügend Beispiele in Land und Stadt, wird diese Macht durchaus auch oft missbräuchlich zum eigenen Machterhalt und zum Schaden des Steuerzahlers verwendet. Einem Kandidaten allerdings vorzuwerfen, dass er seine Kandidatur genauestens geplant hat, ist meiner Meinung nach nicht einmal mehr „dirty campaigning“ sondern einfach nur blöd, denn wer will denn wirklich einen Kanzler, der wichtige Entscheidungen planlos angeht? Erstens haben wir das ja alles schon gehabt und zweitens sollte man das alles nicht noch prolongieren. In diesem Sinne freue ich mich über jede Karasmische Wortspende aus Brüssel, wäre aber dafür, dass die Bezahlung dieses hochdotierten Abgesandten auch der übernehmen sollte, für den er sein Wort erhebt. Gespannt bin ich, wie Spanien das Problem mit dem abtrünnigen Katalanien löst, denn das könnte sich durchaus zum europäischen Flächenbrand entwickeln. Die Traum-Wirtschaftsregion Bayern, Tirol und Südtirol geistert nämlich noch immer in nicht wenigen Köpfen herum, wobei mich in der Sache am meisten stört, dass die Nettozahler nicht adäquat in politische Entscheidungen eingebunden sind. Normalerweise schafft der an, der auch zahlt, alles andere ist die Regel J

Interessant wird auch die Volksbefragung zur Olympiabewerbung, denn das letzte Mal kamen sich nicht wenige Tiroler einigermaßen gefrotzelt vor, weil die positive Resttiroler Mehrheit ganz demokratisch durch eine negative Innsbrucker Minderheit überstimmt wurde. Könnte gut sein, dass es diesmal gar nicht um Olympia geht, sondern darum, den Hauptstädtern eine Retourkutsche zu verpassen. Wie heißt es so schön, die Hoffnung stirbt zuletzt!

Schönen Sonntag

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