"Tirolerisch denkt"

Kolumne von Franz Eberharter

Pest oder Cholera

Eigentlich wollte ich gar nicht mehr wählen gehen, denn ich habe es bis Oberkante Unterlippe satt, mich zwischen Pest oder Cholera entscheiden zu müssen. Außerdem bin ich der bescheidenen Meinung, dass für das eigentlich absolut überflüssige Amt des Bundespräsidenten sich bei diesem Wahlkampf keiner der beiden Streithanseln auch nur ansatzweise staatstragend benommen hat. Den Vogel endgültig abgeschossen haben sie beim letzten TV-Duell. So einen Kindergarten auf so einem Niveau, und ich möchte dabei keinesfalls unseren Kleinen zu nahe treten, habe ich seit dem Wahlspektakel in Amerika nicht mehr gesehen. Dass so etwas in unserem doch eher zivilisierten Österreich auch möglich ist, hätte ich im Traum nicht gedacht. Hallo, es wird weder der Bundeskanzler, der Außenminister, der Verteidigungsminister oder der Innenminister gewählt, also bleibt am Boden Jungs.

Jedenfalls ist das Amt des Bundespräsidenten so beschädigt, dass man sich, und einer wird´s ja heute oder morgen oder am Dienstag, oder vielleicht nächstes Jahr, wohl nun doch werden, mit Fug und Recht als Österreicher schämen muss, sollte einer irgendwo als unser Repräsentant herumlaufen. Repräsentieren, und das heißt schließlich laut Wikipedia standesgemäß auftreten oder typisch sein für etwas, können beide wohl nur das politische Klima im Land. Da allerdings treffen sie zumindest auf Bundesebene haargenau ins Ziel.

Dass der Bundespräsident die Moral und das Gewissen der regierenden Kaste sein soll, ist angesichts dieses ganzen Wahnes genau so lächerlich wie die landläufige Meinung, dass ein kirchlicher Würdenträger allein durch seine Wahl in ein führendes Amt plötzlich über eine Standleitung zum Herrgott verfügt.

Wenn man die Redensart, sich zwischen Pest oder Cholera entscheiden zu müssen, wörtlich nimmt, sagte mir vorgestern eine liebe Freundin am Telefon, dann sollte man sich jedenfalls für die Cholera entscheiden, denn während die Pest auch heute noch zu 80 % tödlich endet ist die Cholera mit den heutigen medizinischen Möglichkeiten zu 99 % heilbar. Nun habe ich zwei Nächte lang nicht geschlafen, weil mir die schwierige Frage, wer denn nun was sei, den Schlaf raubt. Aber langes Sinnes kurze Rede, jedenfalls gehe ich nun doch wählen und hoffe auch ohne Standleitung spätestens in der Wahlzelle auf die göttliche Eingebung, das Kreuzl an der richtigen Stelle zu machen und es hinterher nicht allzusehr bereuen zu müssen.

Danach werde ich am endlich wieder geöffneten Stammtisch beim Kramerwirt dieses Kasperltheater hinunterspülen und mit meinen Freunden darauf anstoßen, dass diese wunderbare und unglaublich lange Zeit ohne Krieg im Land noch ganz ganz lange dauern möge!

Schönen Sonntag!

"Die stillste Zeit im Jahr"

Naja, eigentlich beginnt heute der Advent, oft als Stillste Zeit im Jahr beschrieben und besungen. In einigen, vermutlich ziemlich wenigen Bereichen mag das ja auch stimmen, denn selbst die Schneekanonen sind verstummt und der Jubelschrei über den geglückten Wintersaisonstart vom Winde verweht, aber ob die damit verbundene Genickstarre der in den Himmel blickenden Touristiker und die nach hinten verschobenen Eröffnungen der Schigebiete die dieser Zeit angedichteten Besinnung und Ruhe dienlich sind, sei dahingestellt. Da wird schnell aus der besinnlichsten die besinnungsloseste Zeit. Die Werbung haut uns mit der Keule auf´s Schädeldach, unglaublich, was wir alles nicht bräuchten und dennoch haben müssen. „So muss Technik“, und dazu ein Bankenbrief, dass man sich das alles mit einem problemlosen Kredit leisten könne. Stimmt ja auch, denn die Probleme mit dem Kredit kommen erst bei der Rückzahlung, aber man will alles, das gleich und das Morgen ist noch weit.

Wenigstens kann man sich darüber freuen, dass in der heimischen Politik Frieden eingekehrt ist. Gut, ganz stimmt das auch nicht, denn wenn auch Kern auf Kuschelkurs mit Strache gegangen ist und diese Verbindung möglicherweise kurz Van der Angelobung in der Hofburg steht, so lässt der Sultan zu Ankara nichts aus um uns zu ärgern. Freilich ist der Sebastian kurz angebunden und lässt sich nicht erpressen, aber ob er über die Möglichkeiten einer allfälligen Grenzsicherung schon mit dem Verteidigungsminister gesprochen hat, ist nicht überliefert. Welchen Wecker man in diesem Zusammenhang nach Brüssel schicken müsste, steht ebenfalls in den Sternen, denn die sind noch damit beschäftigt, das Verbot zu überwachen, Kastanien in zu Stanitzel gedrehtem Zeitungspapier zu verkaufen,. Man darf also hoffen, dass es lange vor der Sicherung irgendeiner unserer Außengrenzen noch zu einem Trinkverbot für zu heißen Glühwein an Tagen mit aufgehendem Mond und falsch gewähltem Präsidenten kommt. Apropos, der Trump hat auch ganz schön zurückgerudert und in einem Interview verkündet, dass es eine großartige Sache sei, sich zu entschuldigen. Allerdings müsse man da vorher etwas falsch gemacht haben, was ihm, wie wir alle wissen, ja niemals passieren kann. Wie auch immer, auch bei uns gibt es viele Dinge, die niemand falsch gemacht hat und die niemals passieren werden. So werden wir weiter unzählige Millionen jährlich an Entwicklungshilfe nach Marokko zahlen und es niemals schaffen, dass sie endlich ihre kriminellen Stinker zurücknehmen. Warum auch, die wissen doch, dass ihre Landsleute im 4-Sterne Hotel Ziegelstadel oder in einer Notschlafstelle in der Stadt bestens aufgehoben sind.

Schönen Sonntag!

das stille örtchen

Gestern war der Tag des stillen Örtchens, auf dem wir laut Statistik täglich etwa 20 Minuten verbringen. Gut, das wird ein Schnitt sein zwischen denen, die gerne möchten aber nicht können und denen, die nicht schnell genug sein können, dennoch sollen es bei einem mittellangen Leben etwa drei Jahre sein. Das Klo hat eine bemerkenswerte Geschichte hinter sich. Während man schon bei den Römern eine Art Wasserspülung hatte, gab es im dunklen Mittelalter einen Einbruch, denn damals kippte man die Exkremente einfach auf die Straße und sandte ein Stoßgebet in Richtung Wettergott, damit dieser die Spülung betätigen möge. Heutzutage gibt es schon High-Tech-Klos mit kohlegefilterter Luftabsaugung, einer Unterdusche, die man von sanftem Strahl bis Kärcher einstellen kann und einem eingebauten Föhn, der das Ganze trocknet. Was aber von den Römern bis heute gleich geblieben ist, das stille Örtchen dient dazu, seine menschlichen Hinterlassenschaften los zu werden und manchmal einfach auch Dinge hinunter zu spülen, die man loswerden möchte.

So habe ich gestern anlässlich dieses Gedenktages gleich einiges dem Kanalnetz anvertraut. Die angestrebte und sicher auch kommende ORF Gebührenerhöhung. Auch wenn es durchaus tröstlich wie logisch sein kann, dass ein Rot-Funk ja nicht Schwarze Zahlen schreiben könne, kann man ein Budget nur über die Ausgabenseite konsolidieren. So habe ich den gegoogelten Jahresgehalt unseres Mediengenerals von 410.000.- Euro, die Gehälter der übrigen Direktoren in der Höhe von 300.000.-, den Gehalt des Radiodirektors in der Höhe von 314.000.- Euro und last but not least den Jahresgehalt eines Schneckerl Prohaska von 300.000.- zuzüglich Kost und Logis, wenn er etwa bei der Fußball-WM „dem“ Ball von „den“ Stürmer im Tor versenkt sehen will, hinuntergespült. Und weil die Spülung noch Reserven hatte, haute ich gleich noch ein paar genauso stinkende Dinge hinterher.

Den Auftragsmörder in Österreich, der deshalb steuerpflichtig ist, weil er ein Vertragsverhältnis mit einem Auftraggeber hat und eine Leistung erbringt. Die steuerbefreiten Diebe und Einbrecher. Den Betrüger, der ohne Leistung Geld kassiert und bei dem sich das Finanzamt schwer tut, was wieder die Frage aufwirft, was denn dann mit Managern in öffentlichen Betrieben ist, die auch oft ohne ersichtliche Leistung Top-Gagen kassieren und in Gemeindewohnungen hausen.

Um die nächste Woche schmerzbefreit angehen zu können, habe ich mir vorgenommen, heute beim Stammtisch ein Gläschen zu heben und einen Toast auszubringen auf jenen Ort, wo man, nicht immer in aller Stille, auch schwer Verdaubares los werden kann. Ob das ganze Paket schon beim Klärwerk angekommen ist?

Schönen Sonntag!

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